Grabenlos Sanieren im Flächenland

RSV Geschäftsführer Tim Krüger, GSTT Geschäftsführer Dr. Klaus Beyer, Präsident Brandenburgische Wasserakademie, Peter Sczepanski; Foto: André Beck

Cottbus / Königs Wusterhausen – 17. 11. 2017 – Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und demografischer Herausforderungen in ländlichen Räumen schärfte am 15. November der 2. Brandenburger Sanierungstag in Cottbus den Blick von 150 Fachtagungsteilnehmern für Chancen und Risiken auf neuen Wegen der Sanierung mit grabenlosen Verfahren im Flächenland Brandenburg. 

Die Sanierung der unterirdischen Infrastruktur für die Siedlungswasserwirtschaft ist eine zyklisch wiederkehrende Aufgabe. Wirtschaft, Mensch und Natur brauchen eine intakte Infrastruktur, neben Straßen und Brücken ist die unterirdischen Infrastrukturen für Wasser und Abwasser eine wichtige kommunale Aufgaben unseres Gemeinwesens. 

Vor der Kulisse der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, BTU kamen 150 Teilnehmer mit 18 praxiserprobten Fachausstellern in Kontakt. Drei Vortrags-Sektionen – Material; Technologien; Konzepte – boten im Großen Hörsaal den kommunikativen Rahmen. Vom Studenten bis zur Genehmigungsbehörde, vom Planer bis zum Bürgermeister und Aufgabenträger informierte sich das Publikum in einer familiären Atmosphäre zum Stand der Technik der grabenlosen Sanierung. 

Kontinuität und Transparenz sind Wege zur Akzeptanz

„Als Brandenburgische Wasserakademie setzen wir mit dem 2. Sanierungstag das Format eines regionalen Branchentreffs im Flächenland Brandenburg fort“, sagt Peter Sczepanski, Präsident der BWA. „Für diese Bildungsaufgabe brauchen wir Kontinuität, mit der wir Kommunikationsanlässe schaffen, mit denen wir die Begegnung und den Austausch der unterschiedlichen Interessen in der Siedlungswasserwirtschaft fördern. In Cottbus haben wir einen positiven Rahmen vorgegeben, um die Bedarfe öffentlicher Aufgabenträger mit dem Potenzial innovativer Materialien und Technologien zu verbinden und das Gespräch zu führen.“

RSV e.V. flankiert grabenlose Sanierung in Brandenburg

Der Vorstandsvorsitzende des RSV e. V., Andreas Haacker, stellt im Vorwort zum Tagungsband fest, dass Betreiber von Entwässerungsnetzen in Brandenburg mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind: Saisonale Schwankungen der Grundwasserstände und indifferente Bodenverhältnisse führten zu hohen Belastungen von Leitungssystemen. Die grabenlose Sanierung von Rohrleitungen sei eine etablierte Methode zur Sicherung des zuverlässigen Betriebs von Netzen. Moderne Sanierungstechniken erlaubten auch unter schwierigen geologischen Bedingungen effiziente, muffenlose und damit sichere Lösungen. 

GSTT: Grabenlose Sanierung im Aufwind

Positive Signale kamen vom Vorstandsvorsitzenden der GSTT e. V, Prof. Jens Hölterhoff. Er attestiert grabenlosem Bauen und Instandhalten von Leitungen herausragende technische, ökonomische und ökologische Chancen, was sich dann auch in den Präsentationen führender Unternehmen darstellen sollte. Dennoch sei der Anteil dieser Technologien am gesamten Bauvolumen im Rohrleitungs- und Kanalbau nach wie vor zu gering, weshalb die GSTT es für wichtig erachte, die regionale, nicht kommerzielle Veranstaltung des Sanierungstages zu pflegen, der sich an ein breites Publikum wendet und mit einem innovativen Preis-Leistungsverhältnis die neuesten Techniken der Sanierung Zweckverbänden, Ingenieurbüros, Planern und ausführenden Firmen in Brandenburg vermittelt.

„Wir geben Lösungen für Generationen vor“

„Alles in der Wasserwirtschaft ist auf Generationen abgestellt, nicht auf Morgen und Übermorgen“, zieht Dr.-Ing. Konrad Thürmer vom Lehrstuhl für Wassertechnik und Siedlungswasserbau ein Resümee. Selbst einfache Systeme erweisen sich über die Zeit als kompliziert. Einerseits müssen Entscheidungen für Anlagen getroffen werden, die jetzt geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden, andererseits werden für Anlagen Entscheidungen getroffen, die schon Jahre lang in der Erde liegen und aus vielerlei Gründen nicht mehr richtig funktionieren. Die verschiedenen Szenarien erforderten adäquate Antworten, die auf die Branche zukommen, so Konrad Thürmer. 

Ein sicherer Betrieb und die hygienische Unbedenklichkeit von Trinkwasser sind die obersten Schutzziele der Wasserversorgung. Hierfür sind bei Leitungsbau und grabenlosen Bauweisen technische Regeln und Rechtsvorschriften einzuhalten. Für den Erfolg einer grabenlosen Sanierungsmaßnahme werden daher außer geprüften Produkten und bewährten Technologien insbesondere qualifizierte Unternehmen gemäß DVGW-Arbeitsblatt GW 301 und GW 302 benötigt. Dies berichtet Andreas Hüttemann vom Rohrleitungsbauverband e.V., der sich aktiv in die Überarbeitung der entsprechenden Regelwerke einbringt.

Datenerhebung – Mut – Über den Tellerrand schauen 

In der dritten Sektion zu Konzepten und Strategien für die Sanierung wurde deutlich, dass der Aufwand für die Sanierung und die Lebensdauer von technischen Ausrüstungen und Anlagen in Wasserwerken und Kläranlagen, Druckerhöhungsstationen und Pumpwerken einander bedingen. Bereits in frühen Planungsphasen treffen Aufgabenträger vorausschauend Entscheidungen. Das Nachdenken über grabenlose Verfahren bei den Rohrleitungs- und Kanalsystemen gehört dazu.

In den Vorträgen von WARL, LWG, WSE standen die verschiedenen Aspekte von Sanierungsstrategien im Mittelpunkt, wie langfristige Aufgabestellungen geplant und realisiert werden. Dabei kamen drei wesentliche Aspekte zur Sprache: Eine verlässliche und belastbare Datenerhebung und Aufzeichnung ist unerlässlich für realistische Prognosen, zeigte der Technische Leiter vom WSE, André Bähler auf. Ohne das Prinzip Mut – sowohl beim Auftraggeber als auch bei Auftragnehmern – ließe sich keine Innovation durchsetzen, wurde im Vortrag des technischen Leiters der LWG, Jonas Krause deutlich. Der WARL wiederum hat Chancen für eine effiziente Umsetzung von Abwasserprojekten ergriffen, indem der Verband sekundäre Aufgaben, hier die Erneuerung einer Straße, als Aufgabenträger für die Wasserwirtschaft mit übernahm, um diese mit seiner primären Aufgabe in der Siedlungswasserwirtschaft zu verschränken, erläuterte Hans Reiner Aethner vom WARL. 

Die Brandenburgische Wasserakademie (BWA) e. V. widmet sich Volks- und Berufsbildung, Natur- und Umweltschutz sowie Wissenschaft und Forschung in der Siedlungswasserwirtschaft. In der Akademie engagieren sich aktuell 70 Mitglieder, darunter Ingenieurbüros, Privatpersonen, Komponenten- und Technologieanbieter sowie die Wasser- und Abwasserverbände MAZ, MAWV, WAL, WARL und LWG. Die Wasserakademie fördert die wissenschaftlich theoretische und praktisch berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften und arbeitet mit Institutionen der beruflichen Weiterbildung, Universitäten und Fachhochschulen mit wasser- und abwasserwirtschaftlicher Ausrichtung im Austausch von Erfahrungen, Programmen und Dozenten zusammen.

Kontakt: 

André Beck
Geschäftsstelle BWA

M 0151 422 10 337?
beck(at)wasserakademie.de

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