Fachveranstaltung „Ocker Spree“ fördert Gesprächskultur

Königs Wusterhausen – Die durch den Braunkohlebergbau mit der Grundwasserabsenkung im Lausitzer Revier in Gang gesetzte Oxidation von im Boden vorkommenden Eisen-Schwefel-Mineralien wie Pyrit und Markasit führt mit dem Wiederanstieg des Grundwassers zu einer Zunahme von gelöstem Sulfat und Eisenhydroxid im Grundwasser und im verbundenen Oberflächenwasser. „Angesichts der zu erwartenden Stoffströme und der Größe des Einzugsgebietes von rund 1.400 Quadratkilometern wird die Region noch über Jahrzehnte mit den Folgen des Bergbaus unter dem Aspekt der Ocker-Spree konfrontiert. Das erfordert einen gemeinsamen und länderübergreifenden Willen, in das Schutzgut Wasser zu investieren. Im Schloss Lübbenau haben wir eine Gesprächskultur erlebt, die differenziert auf die verschiedenen Interessen eingegangen ist und das Ausmaß der Problematik deutlich gemacht hat“, resümiert Peter Sczepanski als Präsident der Brandenburgischen Wasserakademie.

Die von der Wasserakademie organisierte Fachkonferenz „Ocker Spree – Herausforderung für die Wasserwirtschaft“ hat am 13. September 2016 im Schloss Lübbenau 80 Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Verwaltungen und Bürgerinitiativen eine Plattform für Information und Bildung geboten, um über den aktuellen Status Quo der Spree das Gespräch zu führen. Die Veranstaltung wurde von Dr.-Ing. Konrad Thürmer, Institutsleiter für Wasserwirtschaft, Siedlungswasserbau und Ökologie moderiert. Die Keynote hielt Kurt Augustin aus dem MLUL Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Abteilung Wasser und Bodenschutz.

Dr. Wilfried Uhlmann vom gleichnamigen Dresdner Institut für Wasser und Boden stellte in seinem Vortrag eine Stoffbilanz von Sulfat und Eisen in der Spree vor: Demnach lag die Sulfat-Bilanz 2014 in der Spree von Lieske bis Lübben bei 227.000 Tonnen im Jahr, die mittlere Eisen-Bilanz 2010 – 2015 lag in diesem Abschnitt der Spree bei 14.090 Kilogramm pro Tag. Die Qualität der Oberflächengewässer aus dem Einzugsgebiet der Spree ist für die Oberanrainer nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten von Belang, stellte die Bürgermeisterin Christine Herntier klar, denn im Wasser gelöstes Sulfat wirkt bei hohen Konzentrationen betonkorrosiv und durch erhöhte osmotische Belastung toxisch auf im oder auf dem Sediment lebende Wirbellose, Fische und Kieselalgen. Eisenschlämmen legen sich bereits bei niedrigen Konzentration – Eisen-gesamt > 1,8 mg/l; Eisen(II)-gelöst > 0,15 mg/l – im sensiblen Fluss-Ökosystem einer langsam fließenden Spree und in deren Nebengewässern wie ein Leichentuch auf alles Flussleben.

Das Panel 1 – Landespolitik und Siedlungswasserwirtschaft – widmete sich den politisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Phänomens einer gefährdeten Spree. Das Panel 2 – Kommunen und Bürgerengagement – gab Vertretern von Kommunen und Bürgern die Möglichkeit der Information, des Austausches und der Vernetzung. Das Panel 3 – Wissenschaft und Technologie – beleuchtete wissenschaftlich-technische Aspekte und skizzierte technologische Lösungen für eine saubere Spree. Die Vorträge werden nach Genehmigung durch die Referenten auf der Internetseite der Wasserakademie www.wasserakademie.de veröffentlicht.

Die Brandenburgische Wasserakademie e.V. ist gemeinwohlorientiert, das Vereinsleben beschäftigt sich mit Bildung und Information zu Themen rund um sauberes Wasser. Eine Mitgliedschaft steht ebenso privaten Personen wie mit der Siedlungswasserwirtschaft verbundenen Unternehmen und Institutionen des öffentlichen Lebens offen. Aktuell wird die Akademie durch 44 Mitglieder getragen.

Das Programm und die Referenten der Fachkonferenz „Ocker Spree“:

Panel 1 – Politik und Siedlungswasserwirtschaft

  • Kurt Augustin, MLUL, Wasser und Bodenschutz
  • Hans-Georg Thiem, Präsident LBGR, Cottbus
  • Volkmar Zarach, Sven Radigk, LMBV
  • Marten Eger, Geschäftsführer LWG

Panel 2 – Kommunen und Bürgerengagement?

  • Christine Herntier, Bürgermeisterin Spremberg
  • Winfried Böhmer, Aktionsbündnis Klare Spree
  • Daniel Terno, Ingenieurtechnische Dienste, Wasserverband Lausitz Betriebsführungs-GmbH Senftenberg
  • Peter Sczepanski, Präsident Brandenburgische Wasserakademie e.V.

Panel 3 – Wissenschaft und Technologie

  • BTU Cottbus, Dr. Volker Preuß, Lehrstuhl Wassertechnik Sulfat im Trinkwasser – wo liegt das Problem
  • Institut für Wasser und Boden, Dr. Uhlmann Eisen und Sulfat – Möglichkeiten und Grenzen der Wassergütebewirtschaftung der Spree
  • LUG Lausitzer Umweltgesellschaft, Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Kochan, Technologien und Pilotprojekte im Einzugsgebiet von Spree und Altbergbau
  • Biolog Heppe GmbH, Prof. Andreas Heppe – Forschung und Entfernung von Eisenocker im Spreewald

Peter Sczepanski
Präsident Brandenburgische Wasserakademie

Aktuelles

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